Empfehlungen für den Unterricht über den Völkermord an den europäischen Juden (Holocaust, Shoah)

Im Allgemeinen sollte Unterricht zum Holocaust:

  1. Wissen über diesen beispiellosen Völkermord vermitteln.
  2. Die Erinnerung an die Opfer bewahren.
  3. Lehrende und Lernende dazu ermutigen, moralische und spirituelle Fragen zu erörtern, die sich aus den Erfahrungen des Holocaust ergeben, und zu überlegen, welche Relevanz sie in der heutigen Welt haben.

Diese Ziele lassen sich auf folgende Definitionen des Holocaust zurückführen:

Zur Erreichung ihrer "Neuen Ordnung" wollten die Nationalsozialisten alle Juden Europas im Schatten des Zweiten Weltkrieges vernichten. Erstmals in der Geschichte kamen industrielle Methoden für die Massenvernichtung eines ganzen Volkes zum Einsatz. Sechs Millionen Menschen wurden ermordet, darunter 1,5 Millionen Kinder. Dieses Ereignis wird Holocaust genannt. 

Die Nationalsozialisten versklavten und ermordeten darüber hinaus Millionen anderer Menschen. Roma und Sinti, Menschen mit physischen oder psychischen Behinderungen, Polen, sowjetische Kriegsgefangene, Gewerkschaftler, politische Gegner, Deserteure, Homosexuelle und andere wurden in großer Zahl getötet.

Imperial War Museum, London, Großbritannien

Holocaust / Shoa ist die Bezeichnung für ein bestimmtes genozidales Ereignis des 20. Jahrhunderts: die vom Staat organisierte systematische Verfolgung und Auslöschung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Kollaborateure zwischen 1933 und 1945. Juden waren die Hauptleidtragenden – sechs Millionen wurden ermordet; Roma und Sinti, Behinderte und Polen sollten ebenfalls aus rassistischen, ethnischen oder nationalistischen Motiven ganz oder zum Teil vernichtet werden. Weitere Millionen, darunter Homosexuelle, Zeugen Jehovas, sowjetische Kriegsgefangene und Oppositionelle erlitten gleichfalls  brutale Unterdrückung und Tod seitens der nationalsozialistischen Diktatur.

United States Holocaust Memorial Museum, Washington, D.C., USA

Der Holocaust war der Mord an etwa sechs Millionen Juden durch die Nationalsozialisten und ihre Kollaborateure. Zwischen dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Sommer 1941 und dem Kriegsende in Europa im Mai 1945 war es das erklärte Ziel des nationalsozialistischen Deutschlands und seiner Komplizen, jeden in ihrem Einflussbereich befindlichen Juden zu ermorden. Da die Diskriminierung der Juden durch die Nationalsozialisten mit Hitlers Machtübernahme im Januar 1933 begann, sehen viele Historiker dies als den Beginn der Epoche des Holocaust. Die Juden waren nicht die einzigen Opfer des NS-Regimes, aber sie waren die einzige Gruppe, deren Vernichtung total sein sollte.

Yad Vashem, Jerusalem, Israel

Der Unterricht über den Holocaust kann und muss je nach Kontext unterschiedlich sein. Der Holocaust kann mit anderen Völkermorden verglichen werden. Dabei können Ähnlichkeiten herausgearbeitet werden; zugleich müssen jedoch die Unterschiede deutlich gemacht werden.

Wenn man über den Holocaust unterrichtet, ist es hilfreich, sich drei grundlegende Fragen zu stellen:

  1. Warum unterrichte ich über den Holocaust?
  2. Was unterrichte ich über den Holocaust?
  3. Wie unterrichte ich über den Holocaust?

Die erste Frage betrifft die Zielsetzung. Die zweite Frage ist auf die Auswahl der Aspekte gerichtet, während die dritte Frage auf die für die jeweilige Schülergruppe geeigneten pädagogischen Methoden zielt. Die erste und die dritte Frage werden in anderen Empfehlungen behandelt.

Außer im Geschichtsunterricht kann man sich mit dem Holocaust auch in anderen Fächern befassen wie z.B. im Literaturunterricht, in den Fächern Psychologie, Politische Bildung oder im Religionsunterricht.

Es ist darüber hinaus empfehlenswert, nationale Gedenktage und lokale Gedenkveranstaltungen pädagogisch zu unterstützen.

Die Beschäftigung mit dem Holocaust muss in den Kontext der gesamteuropäischen Geschichte gestellt werden und sollte zugleich auch lokalhistorische Aspekte berücksichtigen. Pädagogen sollten die Geschehnisse des Holocaust in einen größeren Zusammenhang stellen, indem sie folgende Inhalte thematisieren:

  • Antisemitismus
  • Jüdisches Leben in Europa vor dem Holocaust
  • Die Nachwirkungen des Ersten Weltkrieges
  • Der Aufstieg und die Machtübernahme der Nationalsozialisten.

Als mit dem Holocaust zusammenhängende historische Gegenstände und Themen sollten Pädagogen bei der Planung des Unterrichts zum Holocaust unter anderem die im Folgenden genannten berücksichtigen. Sie sollten dabei die Wahrnehmung des Geschehens thematisieren aus der Perspektive der:

  • Opfer
  • Täter
  • Kollaborateure
  • Zuschauer
  • Retter

 

1933–1939

  • Diktatur im nationalsozialistischen Deutschland
  • Das System der Konzentrationslager
  • Die Judenheit im Dritten Reich
  • Erste Verfolgungsmaßnahmen
  • Reaktionen des Auslands auf die Judenverfolgung

 

1939–1945

  • Der Zweite Weltkrieg in Europa
  • Rassenideologien und rassistische Politik der Nationalsozialisten
  • Verfolgung und Ermordung von Nicht-Juden
  • Die sogenannte "Euthanasie"
  • Verfolgung und Ermordung von Juden
  • Ghettos
  • Die Einsatzgruppen
  • Die Vernichtungslager
  • Die Ausweitung des Lagersystems
  • Die Reaktionen von Juden auf die nationalsozialistische Politik
  • Kollaboration
  • Widerstand
  • Rettungsbemühungen
  • Reaktion des Auslands auf Nachrichten über die Vernichtung der Juden
  • Todesmärsche
  • Befreiung

 

Nachkriegszeit

  • Emigration
  • Prozesse wegen nationalsozialistischer Gewaltverbrechen

 

Diese Empfehlungen sollen Pädagogen bei der Planung ihres Unterrichts zum Holocaust unterstützen. Von Land zu Land, von Schule zu Schule und abhängig von aktuellen Kontexten kann der Unterricht unterschiedlich konzipiert werden. Deshalb ist es wichtig, dass alle am Lernprozess Beteiligten den Unterricht und seine Ergebnisse reflektieren und beurteilen.