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Arbeitsdefinition zur Leugnung und Verharmlosung des Holocaust

Arbeitsdefinition zur Leugnung und Verharmlosung des Holocaust

Der hier vorgelegten Definition liegt die Erkenntnis zugrunde, dass die Leugnung und Verfälschung des Holocaust sowohl national als auch international bekämpft, geächtet und weltweit untersucht werden müssen.

Die IHRA verabschiedet  deshalb als Arbeitsgrundlage die folgende, rechtlich nicht bindende Definition:

Als Holocaustleugnung werden solche Diskurse und Formen der Propaganda verstanden, die die historische Realität und das Ausmaß der Vernichtung der Juden durch die Nazis und deren Komplizen während des Zweiten Weltkriegs - bekannt als Holocaust oder Shoah- negieren. Holocaustleugnung bezieht sich namentlich auf jeden Versuch zu behaupten, der Holocaust habe nicht stattgefunden.

Holocaustleugnung ist auch dann gegeben, wenn die Instrumente der Vernichtung (wie Gaskammern, Massenerschießungen, Verhungern und Folter etc.) oder die Vorsätzlichkeit des Völkermords geleugnet oder in Zweifel gezogen werden.

Holocaustleugnung ist in allen ihren verschiedenen Formen stets Ausdruck von Antisemitismus. Wer den Völkermord an den Juden leugnet, versucht, Nationalsozialismus und Antisemitismus von Schuld und Verantwortung für diesen Völkermord am jüdischen Volk zu entlasten. 

Formen der Holocaustleugnung bestehen  auch darin zu behaupten, Juden übertrieben oder erfänden die Shoah, um daraus einen politischen oder einen finanziellen Vorteil zu ziehen, als wäre die Shoah selbst das Ergebnis einer Verschwörung der Juden. Dies zielt letztlich darauf ab, die Juden für schuldig und den Antisemitismus wieder für legitim zu erklären.

Häufig zielt die Holocaustleugnung auf die Rehabilitation eines offenen Antisemitismus ab und will damit  eben die politischen Ideologien und Bedingungen fördern, die zum Auftreten genau jener Art von Vorgängen passen, die sie leugnet.

Unter Verfälschung des Holocaust ist u.a.  zu verstehen:

a) das absichtliche Bemühen, die Auswirkungen des Holocaust oder seine wesentlichen Faktoren, die ihn ermöglichten und begünstigten, einschließlich der Kollaborateure und der Verbündeten Nazi-Deutschlands, zu entschuldigen oder zu verharmlosen;

b) die grobe Verringerung der Zahl der Opfer des Holocaust im Widerspruch zu den verlässlichen Quellen;

c) jeder Versuch, die Juden zu beschuldigen, den an ihnen verübten Genozid selbst verursacht zu haben;

d) jene Aussagen, die den Holocaust zu einem positiven geschichtlichen Ereignis verformen.  Solche Äußerungen sind keine Holocaustleugnung an sich, aber sie sind als radikale Form des Antisemitismus eng damit verbunden. Entsprechende Äußerungen könnten suggerieren, dass der Holocaust nicht weit genug gegangen sei, um das Ziel einer "Endlösung der Judenfrage" zu erreichen.

e) die Versuche, die Verantwortung für die Errichtung von Konzentrations- und Vernichtungslagern, wie sie von Nazi-Deutschland entwickelt und betrieben wurden, zu verschleiern, indem die Schuld anderen Nationen oder ethnischen Gruppen zugeschoben wird.